Lange nacht der Prekarität am 22.11.2014

Nur selten wird sich mit dieser Frage danach erkundigt, ob ich gerade Sport treibe, mir das Rauchen an- oder abgewöhne, ob ich über aktuelle Konflikte nachdenke oder gerade Kaugummi kaue. Im alltäglichen Sprachgebrauch ist das, was ich mache, dem gleich gesetzt, was ich arbeite. Die Verachtung einer gesellschaftlichen Mehrheit gegenüber denen, die nicht die Möglichkeit haben, sich auf einen „guten“ Beruf, die Vermehrung ihres Geldes, dem Lesen von Büchern, Zeitschriften oder einem angemessenen Verhalten zu widmen, wird immer größer.

Für Solidarität bleibt wenig Raum. Chantal und Kevin werden in der Schule belächelt, Putzfrauen- und Männer abschätzig beäugt, Arbeits- und/ oder Wohnungslose ausgegrenzt und gegen „arbeitsfaule“ MigrantInnen wird gehetzt. Wo liegt das Problem? Etwa 3 Millionen Menschen in Deutschland sind arbeitslos. Etwa ein Drittel der Arbeitenden leben in unsicheren Beschäftigungsverhältnissen. Viele arbeiten nicht im klassischen Sinne, sondern versuchen sich mit staatlichen Finanzierungen, Ein-Euro-Jobs, Mini-Jobs und kurzfristigen Beschäftigungen über Wasser zu halten. Diese Ausbreitung unsicherer Beschäftigungs- aber vor allem auch Lebensverhältnisse wird häufig mit dem Begriff der „Prekarisierung“ bezeichnet. Prekarität bezeichnet jedoch auch schlechter werdende Arbeitsbedingungen, Flexibilisierung, erzwungene Arbeitermobilität, aber auch die Ausgrenzung von Migrant_innen und Bildung globaler Apartheitsverhältnisse. Die virulente Ausbreitung dieser neuartigen Unsicherheit in alle Bereiche und alle Gesellschaftsschichten ist zum Kern der sozialen Frage des 21. Jahrhunderts avanciert.

Gemeinsam wollen wir mit euch eine lange Nacht der Prekarität veranstalten, rumasseln, theoretisch und praktisch werden. Mehr Infos

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