Katholischer Kirchentag, öffentliche Finanzierung und Laizismus

Die katholische Kirche erhält durch die Kirchensteuer jährlich über 5 Mrd. Euro, ganz zu schweigen zu staatlichen Zuschüssen für die Kirche und ihre Einrichtungen. Zusätzlich wird der diesjährig stattfindende Katholikentag in Leipzig mit 1 Mio. Euro vom Haushalt der Stadt Leipzig bezuschusst. Deshalb besteht die Frage, wofür dieses Geld Verwendung finden wird. Hierzu wurde von der Stadt keine Auskunft gegeben. Zum gleichen Zeitpunkt debattierte der Stadtrat auch über die Kürzung der Gelder für die Jugendsozialarbeit. Leider ist es keine Seltenheit, dass kulturelle und soziale Initiativen meist um Geld ringen müssen, jedoch für eine der am besten finanzierten Glaubensgemeinschaften in Deutschland hohe finanzielle Mittel bereitgestellt werden.

Trotz dieser finanziellen Zuwendungen ist für die Unterbringung der Teilnehmenden des Katholikentag geplant, vom 26. - 27. Mai 53 Schulen in Leipzig zu schließen und diese zu Schlafquartieren umzufunktionieren. Ob der dadurch entfallende Unterricht in den betroffenen Schulen ersetzt wird, ist unklar. Wir finden es bedauerlich, dass die Qualität und die Infrastruktur der Bildung scheinbar weniger wichtig ist, als eine religiöse Veranstaltung.

Ein weiterer Punkt unser langen Kritikliste setzt bei den christlichen Kirchen an sich an.

Kirchliche Einrichtungen erhalten zusätzlich durch den Staatshaushalt weitere Subventionen in Höhe von über 19 Milliarden €. Auch der Großteil der Diakonie und Caritas wird durch weiter 45 Milliarden € jährlich finanziert.

Obwohl die Finanzierung der Caritas fast ausschließlich aus staatlichen Mitteln erfolgt, besitzen diese ein eigenes Arbeitsrecht. Den Mitarbeiter*innen wird dadurch untersagt sich gewerkschaftlich zu organisieren oder das Streikrecht wahrzunehmen. Die Angestellten dürfen nicht gegen christliche Grundwerte verstoßen. So ist z.B. die Kündigung von Mitarbeiter*innen, die sich nicht an die kirchliche Sittenlehre halten, zulässig.

Die kirchlichen Moralvorstellungen, nach denen sich die Sittenlehre richtet, entsprechen nicht der aktuellen Lebenswirklichkeit vieler Menschen. Beispielsweise werden Scheidung, Wiederverheiratung und Ausleben der eigenen sexuellen Identität abseits der heteronormativen Mehrheit nicht toleriert. Zudem vertritt die katholische Kirche eine klar abhaltende Haltung gegen Abtreibungen, was eine starke Einschränkung des Selbstbestimmungsrechts der Frau darstellt. Die patriarchale Struktur der katholischen Kirche zeigt sich zudem in veralteten Rollenbildern und der strukturellen Verhinderung jeglicher Partizipation von Frauen* in höheren Kirchenämtern.

Weiterhin zeigt sich die katholische Kirche beim Thema Inklusion lediglich mit Barmherzigkeit, nicht jedoch mit dem Willen der Emanzipation der Angesprochenen. Somit fördert sie das Herabschauen aus Nächstenliebe, anstatt der Ermächtigung eines selbstbestimmten Lebens.

 

Obwohl ein großer Teil der Bevölkerung konfessionslos ist, sind viele Staatsangelegenheiten immer noch Religionssache. Hiermit ist vor allem das Christentum gemeint, welches mit der staatlichen Identität gleichgesetzt wird - sichtbar wird dies beim Einzug der Kirchensteuer durch staatliche Behörden für Religionsgemeinschaften des öffentlichen Rechts.

Des Weiteren entstammen die meisten in Deutschland gewährten Feiertage einem christlich religiösen Hintergrund. Daraus folgt eine aufbestimmte christliche Prägung der Gesellschaft bei gleichzeitiger Diskriminierung der Religionslosigkeit, sowie anderer Glaubensgemeinschaften. Durch das Beibehalten einiger weniger bestehender Feiertage würde Raum für zusätzliche, je nach Religionsangehörigkeit bzw. -losigkeit, frei wählbare Feiertage schaffen. Auch das Tanzverbot und Verbot von Sportveranstaltungen an manchen gesetzlichen Feiertagen, wie Karfreitag und Buß- und Bettag, stellen eine Verletzung der Freiheit auf Religionslosigkeit dar.

Obwohl etwa 90% der Kosten von Bildungseinrichtungen mit religiöser Trägerschaft aus staatlichen Mitteln finanziert werden, haben die Religionsgemeinschaften einen großen Einfluss auf die Unterrichtsgestaltung. Dies zeigt sich einerseits durch die Anwesenheit religiöser Symbole oder durch die Zwangsbelegung von Religionsunterricht. Eine Alternative hierzu würde ein an allen Schulen angebotener weltanschaulich neutraler Ethik- und Philosophieunterricht darstellen.

Außerdem werden die Kosten für theologische Studiengänge weiterhin komplett aus öffentlichen Geldern finanziert. Hierbei wird die Ungleichbehandlung anderer Religionsgemeinschaften deutlich, die die Ausbildung Geistlicher überwiegend selber tragen.

Aus diesen und vielen weiteren Gründen fordern wir eine kritische Auseinandersetzung mit Christentum, den Interdependenzen zwischen Staat und Kirche(n) und eine Einstellung der Subvention der durchaus nicht armen katholischen Kirche durch die Stadt Leipzig!

 

 

 

 

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